Brehms Tierleben eallgemeine Kunde des Tierreichs : mit 1800 Abbildungen im Text, 9 Karten und 180 Tafein in Farbendruck und Holzschnitt 2/1, str. 386
350 Erſte Ordnung: Baumvögel; elfte Familie: Finken.
nie aber in Nadelwaldungen. Auch ſie triſt, von ihrer Winterreiſe commend, erſt ſpät im Frühjahre, ſelten vor den erſten Tagen des Mai, am Brutgebiete ein, treibt ſi hier ganz nach Art der Goldammer umher, läßt wie dieſe den ſo vielen Arten gemeinſamen Lo>ton, ein ſcharfes „Zip zip“, vernehmen, ſingt aber, auf hohen Zweigſpigen ſißend, beſſer als die meiſten Ammern, da der einfache Geſang ſich durch drei kurze, voneinander wohl unterſchiedene, flötende Strophen auszeicnet.
Die Neſter, die Henke auf den Dwinainſeln nördlih von Archangel am 16. Zuni fand, ſtanden niedrig am Boden oder niht hoh darüber im Graſe, Geſtrüppe und Geſiräuche verſte>t, waren auf einer Unterlage aus tro>enen Halmen, Blättern und Gemwürzel erbaut und mit feinen Würzelchen, Baſtfaſern, zarten Grasblättern, zuweilen auh mit einzelnen Haaren und Federn ausgelegt. Die 5—6 Eier, deren Längsdurhmeſſer 23 und deren Querdurchmeſſer 17 mm beträgt, ſind auf grünlihem oder bräunlih grauweißem Grunde mit kleinen und großen, teilweiſe ineinander gefloſſenen verwaſchenen Schalenfle>ten von grünlicher oder bräunlihgrauer Färbung und mit brandfle>iger Zeihnung, Punkten, unregelmäßigen Fle>en, Haarzügen und Schnörkeln von brauner und ſhwarzer Farbe geziert.
Nach der Brutzeit ſchart ſi< alt und jung in zahlreiche Flüge und begibt ſi allmählih auf die Wanderung. Bei dieſer Gelegenheit werden in der Umgegend von Moskfau oft ſehr viele berü>t, und ſie ſind es, die dann auch lebend bis in unſere Käfige gelangen.
Südoſteuropa von Fſtrien an, namentli<h Dalmatien und Griechenland, viele Fnſeln des Adriatiſchen Meeres, die Levante und einen großen Teil Südweſtaſiens bis an die Nordund Weſtprovinzen Fndiens, insbeſondere aber Perſien, bewohnt die Kappenammer, Königsammer, Ortolanfkönig (Emberiza melanocephala, granatiyora und simillima, Euspiza melanocephala, Fringilla crocea, Xanthornus caucasícus, Passerina und Granativora melanocephala; Abbildung S. 347), dur< den kräftigen, ſpißkegelförmigen, faſt gleichkieferigen Schnabel mit kleinem, länglihem Hö>er vor dem Gaumen, die ſtämmigen Füße, langen Fittiche, unter deren Schwingen die erſte die längſte iſt, und den mäßig langen, am Ende geraden Schwanz von anderen Ammern unterſchieden. Fhre Länge beträgt 18,5, die Breite 29, die Fittihlänge 9,8, die Shwanzlänge 8 cm. Der Kopf iſt ſchwarz, die Oberſeite lebhaft zimtrotbraun, dur<h ſchmale und verwaſchene gräuliche Endſäume geziert, die ganze Unterſeite hochgelb; die dunkelbraunen Schwingen und Steuerfedern zeigen fahlbraune, an den hinteren Armſchwingen und De>kfedern ſih verbreiternde Außen-, die kleinen zimtbraunen Defedern gelbgraue, die bräunlichen größten Flügelde>federn weiße Endſäume, die eine Querbinde herſtellen. Das Auge iſt dunkelbraun, der Schnabel hornblau, der Fuß bräunlihgelb. Dem Weibchen fehlt die ſhwarze Kappe; die Oberſeite iſt gräulich roſtrot, die Kehle weiß, die übrige Unterſeite weißlih roſtfarben.
Ende April trifft die Kappenammer, aus ihrer Winterherberge kommend, in Griechenland, kaum ſpäter auch in Fſtrien ein. An einem ſ{hönen Frühling8morgen ſind in Griechenland oft alle He>en am Meeresufer, die man Tages vorher vergeblih nah ihr abſuchte, förmlih bede>t mit dem in voriger Naht angekommenen Könige der Ortolane. Dieſer begibt ſih nunmehr ſofort nah ſeinen Brutſtätten, Weinbergen der Ebene oder no< unbebauten, mit Salbei und Stechdorn beſtandenen Hügeln, baut ſein Neſt, brütet, erzieht die Jungen und verläßt die Heimat wieder zu Ende Juli oder im Auguſt, um ſeiner Winterherberge zuzuwandern. Sein Zug richtet ſih jedoh niht nah Südweſten, ſondern nah Südoſten. Von Perſien, dem Brennpunkte ſeines Verbreitungsgebietes, mag er ausgegangen ſein und Kleinaſien und die Balkanhalbinſel erſt ſpäter aufgefunden haben; durch Perſien, woſelbſt ex no< immer und bis zu faſt 3000 m Höhe überall häufig iſt, wandert er der Herberge zu. Wenige Wochen nach ſeinem Abgange aus Europa erſcheint ex in Dekhan