Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens : mit Original-Beiträgen der hervorragendsten Schriftsteller und Gelehrten. Bd. 3.

Von Louis Haſchert. 299

namentlich“ die jeht vielbegehrten Azaleen, während aus Mexifo neben den gegenwärtig ſo verbreiteten Cinnien und vielen Cacteen auch die unſere Gärten den ganzen Herbſt hindurch ſ{<mü>ende Georgine, welche auh zu Ehren des ſchwediſchen Botanikers Andreas Dahl den ſ{<önen Namen Dahlia erhalten hat, bei uns eingeführt wurde. Und dieſe ſchóne, allgemein geſ<häßte Mexiktanerin iſt es, deren Betrachtung wir uns heute widmen wollen.

Vor länger als einem Fahrhundert — es war im Fahr 1784 — wurde die Georgine in ihrem einfachſten \{li<ten Gewande na< Europa importirt, im Jahre 1800 zuerſt in Dresden kultivizt, und 1804 wurden dur< A. v. Humboldt Samen dieſer Pflanze in Berlin ein=geführt. Es war dies die wilde Stammform, welche in den zwanziger und zum Theil noch in den dreißiger Jahren als eine neue Zierde unſerer Gärten willkommen geheißen wurde. Eine kleine gelbe Scheibe war von fünf bis ſechs breiten, eirunden, ſtumpf zugeſpißten, braun=- oder purpuv= rothen Blumenblättern umgeben, und bildete eine Blüthe, welche auf langem, dünnem Stiel ſi wiegte. Welcher Unterſchied zwiſchen dieſer einfachen Stammform und den durch die Kultur entwi>elten „Prachtſorten“ unſerer heuz tigen Gärten! Wie aber iſt es fnöglih geweſen, aus jener einfachen Form die ſo prächtig gefüllten Blumen zu züchten, wie ſie bereits im Jahre 1830 in England gezogen wurden? :

Dieſer Vorgang beruht auf einem Geſeß, deſſen Ge= heimniß dex große Goethe in ſeiner Schrift über die „Metamoxphoſe der Pflanze“ zuerſt unſeren Blicken